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Aus der Praxis

Kartons packen und beschriften

Beim Packen entscheidet das Gewicht und nicht der Platz: Ein Bücherkarton ist voll, lange bevor er randvoll ist. Beschriftet wird auf zwei Seiten und nie auf dem Deckel, weil gestapelte Kartons ihren Deckel verlieren. Und auf den Karton gehört das Zimmer, in das er soll, nicht das Zimmer, aus dem er kommt. Alles Weitere ist Reihenfolge.

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Unbedruckte Umzugskartons stehen auf einem Dielenboden gestapelt, drei davon sind mit einem breiten farbigen Klebeband quer markiert, daneben liegen eine Packbandrolle, Packpapier und eine Rolle Luftpolsterfolie.
Unbedruckte Umzugskartons stehen auf einem Dielenboden gestapelt, drei davon sind mit einem breiten farbigen Klebeband quer markiert, daneben liegen eine Packbandrolle, Packpapier und eine Rolle Luftpolsterfolie.

Das Gewicht setzt die Grenze, nicht der Platz

Die meisten packen nach Volumen: Der Karton wird gefüllt, bis nichts mehr hineinpasst, dann kommt der Deckel drauf. Bei Kleidung und Bettzeug geht das gut, bei Büchern geht es schief. Rechnen Sie kurz mit: Ein gebundenes Buch mit rund fünfhundert Seiten wiegt etwa 700 Gramm und misst etwa 22 mal 15 mal 3,5 Zentimeter, belegt also gut einen Liter. Daraus ergibt sich eine Packdichte von rund 0,6 Kilogramm je Liter. Ein Standardkarton von 60 mal 33 mal 34 Zentimetern fasst rund 67 Liter. Voll mit Büchern wären das etwa vierzig Kilogramm.

Vierzig Kilogramm bekommt niemand allein sauber über eine Treppe, und der Kartonboden hält es auch nicht lange aus. Genau deshalb gibt es den Bücherkarton. Er ist nicht der Karton für Leute mit wenig Besitz, sondern eine eingebaute Gewichtsbremse: Bei rund 45 Litern Rauminhalt ist bei etwa 27 Kilogramm Schluss, selbst wenn man ihn bis oben füllt. Wer schwere Sachen in den großen Karton packt, hebelt diese Bremse aus.

Eine gesetzlich festgelegte Obergrenze für einen Umzugskarton gibt es nicht. In der Praxis hat sich die Marke von etwa zwanzig Kilogramm eingebürgert, weil das ungefähr das Gewicht ist, das ein Mensch allein eine Treppe hinaufträgt, ohne die Stufen zählen zu müssen. Wer darüber liegt, braucht für jeden einzelnen Karton zwei Personen, und dann dauert der Umzugstag genau doppelt so lange wie geplant.

Was in den kleinen Karton gehört

  • Bücher, Zeitschriften und Fotoalben
  • Ordner, Akten und Papier jeder Art
  • Werkzeug, Schrauben, Nägel und Kleineisen
  • Konserven, Flaschen und schwere Vorräte
  • Fliesen, Farbdosen und alles, was ähnlich dicht ist

Im Karton selbst: schwer nach unten, hohl gar nicht

Ein Karton aus Wellpappe trägt seine Last über die vier senkrechten Kanten, nicht über den Deckel. Solange er prall gefüllt ist, stützt der Inhalt diese Kanten zusätzlich. Ist er nur halb voll, fehlt diese Stütze, und der Karton knickt unter dem nächsten im Stapel ein. Deshalb ist ein halb gefüllter Karton kein sparsamer Karton, sondern ein Problem für alles, was darunter steht.

Füllen Sie Hohlräume also auf, mit Handtüchern, Bettwäsche oder Packpapier. Zeitungspapier ist dafür nur bedingt geeignet, weil die Druckerschwärze auf hellem Porzellan und auf Kunststoff Spuren hinterlässt. Schwere Stücke kommen nach unten, leichte nach oben, und Geschirr steht auf der Kante statt flach zu liegen, denn ein Teller bricht auf der Fläche und hält auf dem Rand erstaunlich viel aus.

Der Boden entscheidet über den Rest. Ein Kartonboden, der nur ineinandergefaltet ist, öffnet sich unter fünfundzwanzig Kilogramm irgendwann von selbst, meistens auf halber Treppe. Kleben Sie ihn quer über die Mittelnaht und noch einmal über beide Querkanten. Das kostet drei Sekunden je Karton und ist die billigste Versicherung des ganzen Umzugs.

Reihenfolge im Karton, von unten nach oben

  • Zuunterst das Schwerste, flach und mittig, damit der Karton nicht kippt
  • Darüber mittelschwere Dinge, dazwischen Papier oder Textilien gegen das Wandern
  • Zerbrechliches einzeln eingeschlagen und aufrecht statt liegend
  • Ganz oben Leichtes, das den Deckel nicht nach oben drückt
  • Zum Schluss den Rest bis unter den Deckel auffüllen, nichts darf sich bewegen

Warum die Beschriftung auf zwei Seiten stehen muss

Auf dem Deckel zu beschriften ist naheliegend und im Umzugswagen wertlos. Kartons werden gestapelt, und ab dem zweiten von unten ist der Deckel unter dem nächsten Karton verschwunden. Sichtbar bleibt genau eine Seitenfläche, und welche das ist, hängt davon ab, wie der Stapel gebaut wurde. Wer beschriftet, ohne das zu bedenken, hat am Ziel zwanzig Kartons, deren Aufschrift zur Wand zeigt.

Die Lösung ist banal und wird trotzdem selten gemacht: Schreiben Sie dieselbe Angabe auf zwei benachbarte Seiten, also einmal auf eine Längsseite und einmal auf eine Schmalseite. Dann ist sie in jeder Stapelrichtung von irgendwo lesbar. Der Deckel darf zusätzlich beschriftet werden, aber niemals nur er.

Zwei Kleinigkeiten kommen dazu. Beschriften Sie, solange der Karton noch leer oder erst halb voll ist; auf einer prall gefüllten Wand rutscht der Stift ab und die Schrift wird unleserlich. Und schreiben Sie nie auf das Klebeband, denn das Klebeband wird beim Auspacken aufgeschnitten und nimmt die Beschriftung mit. Ein breiter Marker ist Pflicht, Kugelschreiber liest niemand aus zwei Metern Entfernung im Halbdunkel eines Treppenhauses.

Die Zimmerangabe des Ziels bringt mehr als die der Quelle

Die häufigste Aufschrift auf einem Umzugskarton ist der Name des Raums, aus dem er stammt: Küche, Schlafzimmer, Arbeitszimmer. Das hilft beim Packen und danach niemandem mehr. Die Menschen, die den Karton tragen, waren nie in Ihrer alten Wohnung und interessieren sich auch nicht dafür. Sie stehen in der neuen Wohnung und müssen entscheiden, durch welche Tür sie gehen. Dafür brauchen sie das Zielzimmer.

Am besten funktioniert das mit Nummern statt mit Namen. Nummerieren Sie die Räume der neuen Wohnung auf einer Skizze durch, kleben Sie am Umzugstag ein Blatt mit der Nummer an jede Zimmertür und schreiben Sie auf die Kartons dieselbe Nummer. Namen sind mehrdeutig: Bei zwei Kindern gibt es zwei Kinderzimmer, aus dem Arbeitszimmer wird ein Gästezimmer, und der Flur heißt bei manchen Diele. Eine Ziffer ist es nicht.

Wenn die neue Wohnung zwei Ebenen hat, gehört die Etage dazu, sonst landet der halbe Hausstand im Erdgeschoss und wird ein zweites Mal getragen. Und schreiben Sie dazu, was ungefähr darin ist, aber kurz: "3 Bücher" reicht, eine Inventarliste auf dem Karton liest niemand. Der Inhalt gehört in Ihre Liste, nicht auf die Pappe.

Was nicht in den Umzugskarton gehört

Ein Umzugswagen wird im Sommer warm, er fährt, er bremst, und er wird beladen und entladen, ohne dass jemand weiß, was in welchem Karton steckt. Aus diesen drei Tatsachen ergibt sich, was draußen bleibt. Angebrochene Flüssigkeiten kippen um und laufen in die Kartons darunter; Kerzen, Schokolade und Kosmetik werden weich und hinterlassen Flecken; Spraydosen und Ersatzakkus gehören generell nicht in eine geschlossene Kiste, die stundenlang in der Sonne steht.

Die zweite Gruppe ist wichtiger und wird häufiger vergessen: alles, was Sie am selben Abend brauchen oder auf keinen Fall verlieren dürfen. Ausweise, Verträge, Schlüssel, Medikamente, Ladegeräte, Bargeld und Schmuck fahren im eigenen Auto mit und nicht im Wagen. Dasselbe gilt für Zimmerpflanzen, die in einem geschlossenen Karton einen ganzen Tag nicht überstehen.

Und dann gibt es den einen Karton, der über den Abend entscheidet. Er enthält Werkzeug für den Aufbau, Toilettenpapier, Seife, Handtücher, Bettzeug, Ladekabel, eine Lampe, Kaffee und etwas zu essen. Dieser Karton wird zuletzt eingeladen und zuerst ausgeladen, deshalb sagen Sie den Trägern morgens Bescheid, welcher es ist. Ohne diesen Hinweis steht er zuverlässig ganz hinten unter dem Kleiderschrank.

Der Karton für die erste Nacht

  • Werkzeug, Akkuschrauber und die Schrauben der zerlegten Möbel, beschriftet je Möbelstück
  • Bettwäsche, Handtücher, Seife, Toilettenpapier und Müllbeutel
  • Ladekabel, Mehrfachsteckdose und eine Lampe mit Leuchtmittel
  • Kaffee, Wasser, ein Messer, zwei Tassen und ein Teller je Person
  • Papiere, Schlüssel und Medikamente, die nicht in den Wagen dürfen

Eine Nummer ist mehr wert als eine Inhaltsangabe

Nummerieren Sie jeden Karton fortlaufend und führen Sie dazu eine Liste, notfalls als Notiz im Telefon: Nummer, Zielzimmer, grober Inhalt. Der Nutzen liegt weniger im Wiederfinden als im Zählen. Wenn siebenundvierzig Kartons in den Wagen gegangen sind und am Ziel siebenundvierzig wieder herauskommen, ist die Sache erledigt. Ohne Nummern kann das niemand feststellen, weder Sie noch wir, und ein Verdacht ohne Zahl ist unangenehm für beide Seiten.

Der zweite Nutzen kommt drei Tage später, wenn die Kaffeemaschine gesucht wird. Ein Blick in die Liste ersetzt das Öffnen von zwölf Kartons. Und die Liste hat einen Vorteil, den die Pappe nicht hat: Sie lässt sich ändern. Wer beim Packen umsortiert, korrigiert eine Zeile, statt eine durchgestrichene Aufschrift zu hinterlassen, die am Ziel Rätsel aufgibt.

Kartons selbst müssen Sie übrigens nicht kaufen. Leihkartons kommen mit dem Wagen und gehen mit ihm zurück, die Beträge dafür stehen auf der Preisseite. Wer nicht selbst packen will oder wenig Zeit hat, bucht Packkräfte dazu; wie wir die Besetzung zuschneiden, steht unter Umzugshelfer. Und wenn die alte Wohnung danach leer ist, folgt der nächste Termin: die Wohnungsübergabe.

Kartongröße, Inhalt und Gewicht, nachgerechnet
KartonRauminhaltWas hineingehörtGewicht, so gefüllt
Bücherkarton, rund 40 x 33 x 34 cmrund 45 LiterBücher, Ordner, Werkzeug, Konserven, Fliesenrund 27 kg, wenn er ganz mit Büchern gefüllt ist
Bücherkarton, nur halb gefülltrund 22 Liter genutztBücher unten, darüber Packpapier gegen das Rutschenrund 14 kg
Standardkarton, rund 60 x 33 x 34 cmrund 67 LiterGeschirr, Küchenkram, Spielzeug, Kleinteilemit Büchern rund 40 kg, deshalb kommen dort keine hinein
Standardkarton, gemischt gepacktrund 67 Literunteres Drittel Bücher, darüber Textilien und Bettzeugrund 18 kg
Standardkarton mit Textilienrund 67 LiterKleidung, Bettwäsche, Handtücher, Kissenunter 10 kg, hier ist der Platz vor dem Gewicht zu Ende
So ist gerechnet: Ein gebundenes Buch mit rund 500 Seiten wiegt etwa 700 Gramm und misst etwa 22 x 15 x 3,5 Zentimeter, also rund 1,15 Liter. Daraus folgt eine Packdichte von etwa 0,6 Kilogramm je Liter. 45 Liter mal 0,6 ergibt rund 27 Kilogramm, 67 Liter mal 0,6 ergibt rund 40. Für Textilien rechnen wir mit etwa 0,1 Kilogramm je Liter, daher die 18 Kilogramm beim gemischten Karton (22 Liter Bücher plus 45 Liter Textilien). Die Zentimeterangaben sind die im Handel üblichen Außenmaße, der nutzbare Rauminhalt liegt etwas darunter; die Dichte ist eine Rechenannahme und kein Messwert, Taschenbücher sind leichter als Bildbände.

Fragen, die uns beim Packen immer wieder gestellt werden

Wie viele Kartons brauche ich?

Faustformeln je Quadratmeter treffen selten zu, weil zwei gleich große Wohnungen sehr verschieden voll sein können. Zählen Sie stattdessen: laufende Regalmeter Bücher, laufende Meter Kleiderstange, Zahl der Küchen- und Schrankfächer. Aus diesen drei Angaben wird beim Aufmaß eine Zahl, die hält. Bestellen Sie am Ende etwas mehr, Leihkartons gehen zurück.

Ist ein Bücherkarton nur für Bücher da?

Nein, er ist für alles Schwere da. Ordner, Werkzeug, Konserven, Fliesen, Farbdosen und Kleineisen gehören genauso hinein. Der kleine Karton ist im Grunde eine Gewichtsbegrenzung in Pappform: Wenn er randvoll ist, liegt er noch in einem Bereich, den ein Mensch allein über eine Treppe bekommt. Ein großer Karton mit demselben Inhalt tut das nicht.

Wie schwer darf ein Karton sein?

Eine gesetzliche Grenze für Umzugskartons gibt es nicht. Praktisch bewährt haben sich rund zwanzig Kilogramm, weil das ein Gewicht ist, das eine Person allein und ohne Kunststücke die Treppe hinaufträgt. Alles darüber bindet zwei Personen je Karton und verdoppelt die Zahl der Wege. Im Zweifel lieber einen Karton mehr packen als einen zu schweren.

Reicht es nicht, den Deckel zu beschriften?

Im Stapel nicht. Sobald ein zweiter Karton darauf steht, ist der Deckel verdeckt, und sichtbar bleibt nur eine Seitenfläche. Welche das ist, entscheidet sich beim Stapeln und nicht beim Packen. Schreiben Sie dieselbe Angabe deshalb auf eine Längs- und eine Schmalseite, dann ist sie aus jeder Richtung zu finden. Der Deckel darf gern dazukommen.

Warum soll das Zielzimmer draufstehen und nicht das Herkunftszimmer?

Weil die Träger Ihre alte Wohnung nicht kennen und die Angabe "Küche" ihnen nicht sagt, durch welche Tür sie in der neuen Wohnung gehen sollen. Nummerieren Sie die Räume am Ziel, hängen Sie die Nummern an die Türen und schreiben Sie dieselbe Nummer auf die Kartons. Das spart am Abladetag jede Rückfrage und verhindert, dass alles im Flur landet.

Was gehört in den Karton, der zuletzt eingeladen wird?

Alles für den ersten Abend: Werkzeug und die Schrauben der zerlegten Möbel, Bettzeug, Handtücher, Seife, Toilettenpapier, Müllbeutel, Ladekabel, eine Lampe und etwas zu essen. Dieser Karton wird zuletzt eingeladen und zuerst ausgeladen. Sagen Sie den Trägern am Morgen, welcher es ist, sonst steht er am Abend zuverlässig ganz hinten im Wagen.

Warum wir das hier aufschreiben

Gut gepackte Kartons verkürzen den Umzugstag messbar, und ein kürzerer Tag ist auch ein günstigerer.

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Ratgeber

Das passt oft zum selben Auftrag

Erst rechnen, dann packen

Zwei Kartongrößen, zwei beschriftete Seiten und eine fortlaufende Nummer reichen für einen ruhigen Umzugstag.